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Gruppen- und mannschaftstaktische Systeme

Im mannschaftstaktischen Konzept wird dem einzelnen Spieler für die Grundsituation des Spiels ein Verantwortungsbereich bei der Lösung der jeweiligen kollektiven Aufgabe zugewiesen.

Es schafft die Basis, auf der die Aktionen der Einzelspieler koordiniert und sinnvoll integriert werden und entlastet den einzelnen Spieler, da es die Zahl möglicher Handlungsalternativen durch Aufgabenteilung deutlich reduziert.

Das mannschaftstaktische Konzept hält für jede Grundsituation des Spiels Raum- und Aufgabenteilungen bereit,

  • welche die Kooperation der Spieler regeln und Basis der aufgabenbezogenen Kommunikation im Spiel sind
  • welche am Angriffs- bzw. Abwehrverhalten des Gegners orientiert sind
  • welche dem Spiel- und Leistungsniveau der eigenen Mannschaft angemessen sind
  • welche die Stärken und Schwächen der einzelnen Spieler im Sinne einer optimalen Mannschaftsleistung berücksichtigen
  • welche Spielraum für die individuelle und mannschaftliche Entwicklung und Kreativität lässt
Spielsysteme und Spieltaktik

Durch die Verallgemeinerung der häufig wiederkehrenden Situationen unter Berücksichtigung der oben aufgeführten Punkte entsteht ein sogenanntes Spielsystem. Unberücksichtigt bleibt dabei die große Vielfalt an konkreten Spielsituationen, die es notwendig machen, dass der einzelne Spieler von den Vorgaben des Spielsystems abweicht. Dennoch ist die Kenntnis über das taktische System für ein erfolgreiches Spiel enorm wichtig. Damit wird klar, dass ein Spielsystem keine starren Verhaltensregel aufstellt, sondern als flexibler Ordnungsrahmen verstanden werden muss.

Handlungskomplexe

Die zwei verschiedenen Handlungskomplexe K1 und K2 werden ausführlich hier beschrieben.

Annahmeformationen

Ziel der Einnahme einer bestimmten Annahmeformation ist es, eine hohe Sicherheit beim ersten Pass zu gewährleisten. Dieser Annahmeriegel soll

  1. den gegnerischen Aufschlag ohne Fehler optimal abwehren
  2. den eigenen Angriff optimal vorbereiten

Bei der Auswahl der Annahmeformation tritt meist das Ziel 2 in den Vordergrund.

5er Riegel

Im unteren Leistungsbereich und in der Ausbildung fällt die Entscheidung meist auf einen Annahmeriegel mit fünf Annahmespielern.

Annahmeriegel 5er

 

Mit dieser W-Formation lässt sich das Feld am besten abdecken. Zudem sind die Zuständigkeitsbereiche klein, die Laufwege kurz und die Winkel zum Anspielen des Zustellers klein. Damit eignet sich die Formation hervorragend, um technische Unzulänglichkeiten zu kaschieren.

Die Zuordnungen sehen z.B. wie folgt aus:

  • V und I teilen sich das hintere Drittel
  • IV, VI und II kümmern sich um die vorderen zwei Drittel

Je näher ein Annahmespieler zum Aufschläger steht, verringert sich der seitliche Zuständigkeitsbereich. Das bedeutet, dass das W mit seiner Öffnung immer in Richtung Position des Aufschläger gedreht wird (Beispiel: schlägt der Aufschläger hinter der Position I auf, rücken IV, V, VI ein wenig nach hinten).

4er Riegel

Im mittleren Leistungsbereich erfolgt die Aufschlagannahme häufig im Viererriegel. Damit ergeben sich die Möglichkeiten:

  • den Schnellangreifer aus der Annahme zu nehmen
  • einen annahmeschwachen Spieler aus der Annahme zu nehmen
  • wenn die Annahmespieler im Halbkreis positioniert werden, für eine klare Aufgabezuordnung zu sorgen und Missverständnisse zwischen den Spielern zu reduzieren
3er Riegel

Hat man Annahmespezialisten im Team, kann die Aufschlagannahme auch nur mit drei Spielern erfolgen. Damit ergeben sich deutlich mehr Möglichkeiten für Kombinationsangriffe. Zudem kann man so gegenüber dem Gegner verschleiern, welche Spieler zum Hinterfeld gehören und welche Spieler Vorderfeldspieler sind. Dies ist wiederum für die Kombinationsangriffe von großer Bedeutung.

Annahme

Bei der Annahme muss unterschieden werden, ob mit einem positionsgebunden Aufbau oder einem funktionsgebundenen Aufbau gearbeitet wird. Der positionsgebundene Aufbau ist die einfachste Form des Spielaufbaus. Rotiert ein Spieler auf Position II, spielt er den Diagonalangreifer. Rotiert der selbe Spieler auf Position III, ist er Zusteller. Für die Annahme bedeutet das, dass immer stur auf die III angenommen werden muss. Das reduziert gerade im unteren Leistungsbereich die Komplexität des Spiels.

Bei funktionsbezogenen Spielaufbau müssen weitere Überlegungen angestellt werden. Hier hat jeder Spieler eine Funktion im Spielfeld (Zusteller, Diagonalangreifer). Jeder Spieler muss nun versuchen, seine Spielposition nach dem Aufschlag zu erreichen. Gerade für den Zusteller gilt es nun, die Zuspielposition zu erlaufen. Der Annahmespieler hat dann natürlich die Aufgabe, seine Annahme gezielt und hoch genug auf diese Position zu spielen.

Spielaufbau

Die Entscheidung für die richtige Zuspielposition fällt hier entsprechend der Händigkeit der Angreifer. Sind vorrangig Rechtshänder im Angriff, ist ein Zuspiel von Position II günstig. Dabei muss wiederum beachtet werden, dass sich dadurch die Annahmewinkel (bezogen auf das Zuspiel von III) verändern. Zudem sind nun auch Positionswechsel der Angreifer notwendig. Mit einem flexiblen Angreifer, der die Vorteile der schnellen Pässe auf III zu nutzen weiß und auch in der Lage ist, das Spiel durch einen Angriff über II breit zu machen, werden diese Einschränkungen gern in Kauf genommen.

Jens SchreiberGruppen- und mannschaftstaktische Systeme
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